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Die Gründung und die Vorkriegsjahre

Zum erstenmal im Zusammenhang mit dem Beckumer Karneval wurde das „Blaue Viertel“ im Jahre 1909 erwähnt. Zu der Zeit ist die Närrische Gesellschaft „Nordpol im blauen Viertel“ gegründet worden. Diese Gesellschaft beteiligte sich in den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg an den Rosenmontagszügen und gab eine eigene Karnevalszeitschrift heraus. Ab 1919 bis 1934 war es ruhig im Beckumer Karneval, aber eingeschlafen war er dennoch nicht. Da gab es in den dreißiger Jahren die Familie „Suppengrün“ mit ihren Matadoren Gerd (Hase) Schnittker und Bernd (Putzi) Liekenbröker. Die machten Stimmung in Beckum mit ihren Trompeten und ihrer Teufelsgeige. Sie waren natürlich nicht nur ein reiner Karnevalsverein, sondern waren überall aktiv, wo Geselligkeit großgeschrieben wurde. So hatten sie auch ihr eigenes Vereinslied:

„Im Sommer, wenn der Kappus blüht, dann solltet ihr mal seh`n, Familie Suppengrün"


An den nicht offiziellen, mehr privat organisierten Rosenmontagszügen beteiligten sie sich als kostümierte Fußgruppe mit ihren Instrumenten. Diese gestanden Herren waren die Vorreiter der KG „Altes Blaues Viertel“.

 


Gegründet wurde die Gesellschaft in der Gaststätte „Cordes“.
Man schrieb den November 1935. Der damalige Name war:

„BLAUES VIERTEL“

Es gab weder Präsidenten noch Vorstand. Keiner zählte die Versammlungen, die Feste. Man traf sich ungezwungen und feierte, wenn es etwas zu feiern gab. Karnevalssitzungen mit Prinzen und Elferrat fanden nicht statt. Dafür war man um so aktiver bei der Beteiligung an den Rosenmontagszügen, sei es im Wagenbau oder durch Stellen von Fußgruppen. Da wurden Wagen gebaut, wie z.B. Friggerie vör hunnert Joahre“, „Oelder Wind, der stinkt“, oder „Heimatverein sucht Wersequellen“. Erwähnt wurde der erste Wagen bereits im Jahre 1934.

 

 

Hier der Wagen von 1939:


„Wir gehen nicht eher in die Falle, bis unser Geld ist alle!“


Selbstverständlich ging es an den Karnevalstagen in der Vorkriegszeit nicht nur im „Blauen Viertel“ rund, sondern ganz Beckum stand Kopf. Wie es rund ging, soll folgender Artikel aus der Zeitung „Die Glocke“ verdeutlichen. Die schrieb zum Rosenmontagszug 1937: Man kann wohl sagen, dass Beckum einen solchen Rosenmontagszug, was die Aufmachung angeht noch niemals gesehen hat. Das ganze Beckumer Land hatte sich hierzu eingefunden. Da gab es nichts dran zu „löten“, von Lippborg, bis Sendenhorst, alles war da. Je mehr man anderswo den Mund voll nimmt, umso schöner feiert man in Beckum. Da wird nicht viel gesprochen, da werden Nachbargemeinden keine Anweisungen gegeben, da wird gehandelt...

Das Jahr 1939 brachte dann das vorläufige Ende aller Karnevalsaktivitäten. Da gab es im Februar noch einen rauschenden Rosenmontagszug, aber schon im September begann der Zweite Weltkrieg. Die Zeit des Lachens und der Freude war vorbei.

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